Sonntag, 30. August 2015

Die Arbeitswelt ruft ... und meine Angst antwortet

Wie einige von euch bereits wissen, sitze ich zur Zeit an meiner Abschlussarbeit für mein Studium. Danach soll es, wenn möglich, schnellstens ins Arbeitsleben gehen, damit die Lücke im Lebenslauf nicht zu groß wird. Der ist sowieso schon ein besoffenes Gestolpere über Stock und Stein!
Am kommenden Dienstag habe ich bereits mein erstes Vorstellungsgespräch - ein Trainee Jahr in der Altenhilfe bei einer Stadt. Das grenzt fast an ein kleines Wunder, denn ich habe bisher nur diese eine Bewerbung abgeschickt. Eine gewisse Grundnervosität ist bei Vorstellungsgesprächen sicherlich normal, aber sie darf mich nicht bei den wichtigsten Fragen lähmen.

Meine Therapeutin gab mir letzte Sitzung ein Blatt mit typischen Fragen von Personalern. Einige davon machen mir, als junge Frau mit oftmals geringem Selbstwertgefühl - typisch eben für Depressionen, durchaus Probleme. Daher möchte ich zur Vorbereitung meine Antworten in Ruhe überlegen und aufschreiben - wieso also nicht einfach hier auf meinem Blog!?

Wie sind Sie auf uns gekommen? Warum möchten Sie gerade bei uns anfangen? 
Ich habe letztes Jahr bereits Ihre Ausschreibung auf der Homepage unserer Fachschaft an der Universität gesehen, so dass ich dieses Jahr gezielt nach der Ausschreibung auf Ihrer Homepage gesucht habe.

Was interessiert Sie speziell an uns? Wie stellen Sie sich die Tätigkeit bei uns vor?
Mich begeistert die Möglichkeit bei Ihnen ein Trainee Jahr zu machen, so dass ich dadurch nicht nur meine bisher erworbenen Fähigkeiten einsetzen kann, sondern auch noch etwas dazu lernen werde. Außerdem empfinde ich es als hilfreich einen Mentor an meiner Seite zu haben, der mich im Laufe des Jahres unterstützten wird.
In der Arbeit mit den Senioren interessiert mich besonders, wie ein positiver Kontaktaufbau gelingen kann, so dass ihnen ermöglicht wird Einfluss zu nehmen sowie ein lebenswertes Umfeld zu gestalten. Ich vermute es erfordert ein gewisses Feingefühl den Willen der älteren Menschen herauszubekommen. Aber m.E. geht es in der Stadtteilarbeit (Sozialraumorientierung) einzig darum diesen Willen freizulegen und die Klienten bei dem Erreichen auf unterschiedlichen Ebenen (persönlich, politisch) zu unterstützen. 

Was hat für Sie bei der Arbeit Priorität? Was sind die Vor- und Nachteile an dieser Stelle?
Für mich ist es besonders wichtig die Klienten sowie das Team respektvoll zu behandeln, transparent zu arbeiten und authentisch zu sein. Ebenso erwarte ich im Gegenzug von Seiten des Teams den gleichen Respekt. Aus Erfahrung weiß ich, dass ein Team nur funktionieren kann, solange keine offenen Konflikte im Raum stehen, die unter Umständen sogar die Klienten mitbekommen. Eine rasche Konfliktlösung sollte daher von den beteiligten Parteien angestrebt werden. 
Ein eindeutiger Vorteil für mich persönlich ist der Rückhalt eines Mentors. Daher habe ich mich auch bewusst für ein Anerkennungsjahr entschieden, obwohl es ja nicht mehr gefordert wird. 

Auf welche Leistungen in Ihrem Leben sind Sie stolz? Welche persönlichen und fachlichen Fähigkeiten bringen Sie mit? (erste Gruselfrage)
Ich bin besonders stolz während meines Theorie-Praxis-Projekts, welches 1 Jahr ging, zusammen mit einer Kommilitonin eine Frühstücksgruppe für Migrantinnen aufgebaut zu haben. Wir hatten seitens des ASD in Mülheim die Aufgabe erhalten ein Projekt für afrikanische Mütter zu schaffen. Daraus entwickelte sich dann eine regelmäßige Frühstücksgruppe mit begleitender Beratung unsererseits. Damit das Projekt überhaupt zustande kam, mussten wir sehr viele organisatorische Aufgaben übernehmen, z.B. einen Fragebogen entwickeln, Kontakt zu Kindergärten herstellen, Befragung von Müttern mit Migrationshintergrund im Stadtteil, Angebot nach dem Willen der Mütter schaffen, geeigneten Raum suchen, Flyer und Plakate an die Kindergärten aushändigen, Kooperation mit dem Verein "Love from Africa" aufbauen, etc.
Neben den theoretischen Kenntnissen aus dem Studium wie z.B. rechtliche Kenntnisse aus dem SGB II und XII sowie BGB, Sozialpolitik, pädagogische und psychologische Grundkenntnisse, habe ich während des TPP ein Methoden- und Kommunikationstraining belegt, in dem wir z.B. die Moderation einer Stadtteilkonferenz oder Feedback geben in Kleingruppen geübt haben.

Wie schaut ihr Werdegang aus? (Butter bei der Fische - hilfe)
Nach meinem Abitur habe ich eine dreijährige Ausbildung zur staatlich anerkannten kaufmännischen Assistentin für Fremdsprachen in Köln gemacht. Danach habe ich mich entschieden an der FH Düsseldorf Diplom-Sozialpädagogik zu studieren, da ich mir sicher war mein Leben nicht nur im Büro mit teilweise sich wiederholenden Aufgaben und wenig Kontakt zu Menschen zu verbringen. Leider kam es kurz vor Ende dieses Studiums zu einer familiären Belastungssituation, die mich vor allem im letzten Jahr komplett aus der Hochschule herausriss. Aus Verzweiflung und aus einer großen Angst heraus, exmatrikulierte ich mich und schrieb mich für Spanisch (erschien mir zur der Zeit die logischste Wahl) an der Universität Essen ein. Nachdem sich unsere familiäre Lage verbessert hatte, stand ich an einem Punkt, an dem ich beruflich desorientiert war. 
2011 entschied ich mich für 2 Monate zu einer Gastfamilie in die USA zu fahren und nutzte die Zeit dort für eine Auszeit und (Neu-)Orientierung. Der Wechsel des Umfelds half mir Klarheit zu erlangen. Mein Freiwilligendienst in einer Senioreneinrichtung sowie das tägliche Leben auf der Farm mit den unterschiedlichsten Menschen hat mich darin bekräftigt im sozialen Bereich weiterarbeiten zu wollen. Sobald ich zurück war, kümmerte ich mich um einen Platz für Soziale Arbeit an der Uni Essen. Leider wurde mir aus meinem ersten Studium fast keine erbrachte Leistung anerkannt, so dass ich quasi von vorne anfangen musste. Mein Vordiplom war bei der Umstellung auf den Bachelor einfach nichts mehr wert. 
(Für Änderungen oder Ausbesserungen bin ich offen - ich möchte nichts über meine Krankheit sagen, aber ich muss ja meinen Lebenslauf erklären können)

Was sind Ihre Stärken und Schwächen?
Stärken: ich bin eine gute Zuhörerin, ich bin strukturiert und kann gut organisieren, zuverlässig, teamfähig, lösungs- und zielorientiert in der Arbeit
Schwächen: ich werde schnell ungeduldig (nur gedanklich - nicht gegenüber dem Klienten, selbstkritisch

Kommentare:

  1. Wow! Das liest sich super! Ehrlich, ich würde dich einstellen :-). Auch dein Werdegang klingt sehr schlüssig und offenbart beim Lesen gar keine Lücken - wirkt ziemlich stringend :-) Wünsch dir viel Erfolg für das Gespräch!

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    1. Danke für dein Kompliment. Leider hat es beide Male, die ich mich vorstellen musste nicht geklappt. Das erste Gespräch war für einen Bereich, den ich favorisiert hatte. Danach rief mich der Chef an und meinte ich sei knapp nicht genommen worden, aber es sei noch ein Platz in einer anderen Abteilung frei. Dafür musste ich dann ein weiteres Mal zum Gespräch. Auch dort hat es nicht geklappt. Ich bin als erste Nachrückerin eingeplant, falls noch jemand absagt, aber daran glaube ich eher weniger. Da bleibt nur weitersuchen und die Angst an die Arbeitslosigkeit nicht zu groß werden lassen!

      Annie

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