Sonntag, 16. August 2015

Therapie - ein Neuanfang?

Seit drei Wochen besuche ich probatorische Sitzungen für eine neue Therapie - ich habe es geschafft nach den zwei nicht zu mir passenden Therapeuten noch einmal meinen Mut und auch meine Hoffnung einzusammeln und weitere anzurufen. Dabei hatte ich sehr viel Glück - siehst du, Annie, du bist nicht nur vom Pech verfolgt!


Meine jetzige Therapeutin hat erst Anfang Juli eine neue Praxis übernommen, so dass ich auf der Warteliste sehr weit oben stand und bereits Ende Juli meinen ersten Termin haben konnte. Das war übrigens auch das erste Mal, dass eine Therapeutin überhaupt eine offene Warteliste hatte - nachfragen lohnt sich!

Ich habe mich dieses Mal bewusst für eine kognitive Verhaltenstherapie entschieden - dazu wurde mir ebenfalls geraten. Die Schubladen der Vergangenheit habe ich oft genug geöffnet, alles herausgeräumt, versucht zu sortieren und alles wieder eingeräumt. Dieses Mal möchte ich lernen wie die Schubladen geschlossen bleiben - kein unbeabsichtiges Öffnen oder erneutes Durcheinanderbringen ohne es zu wollen. Mein Kopf muss einfach nur richtig aufgeräumt werden. Die ganzen Kommoden sind zwar eingeräumt, aber stehen kreuz und quer. Da muss eine neue Ordnung rein. Eigentlich auch absoluter Quatsch nicht ZUERST die Kommoden zu stellen und DANN die Schubladen einzuräumen.

Chaos im Kopf 

Soweit ich das nach drei Sitzungen beurteilen kann, empfinde ich die Therapeutin als passend. Bereits in der ersten Sitzung wirkte sie sympathisch, an mir interessiert und kompetent. Ihre Strukturiertheit hilft mir enorm. Um das Eis zu brechen erzählte sie zuerst kurz etwas über sich und ihre Qualifikationen, bevor sie mir Fragen zum besseren Kennenlernen stellte. Besonders gut finde ich, dass sie praktische Erfahrungen in verschiedenen Psychotherapieausrichtungen hat. In der Klinik hat sie eher tiefenpsychologisch gearbeitet, aber ihre Ausbildung hat sie in der kognitiven Verhaltenstherapie gemacht. Damit dürfte sie weder dem einen noch dem anderen ganz engstirnig folgen, wie es manche Vertreter der jeweiligen Schule tun.

Damit sie eine Diagnose stellen kann, darf ich sehr viele Fragebögen ausfüllen. Bisher kenne ich das nur aus der Klinik. Da wird man häufig bereits am ersten Tag mit tausenden von Zetteln bombardiert, die schnellstmöglich abzuarbeiten sind. Sie gab mir zunächst nur drei kleine Tests (Beck Depressions Inventar, Beck Angst Inventar und ein Test zu Persönlichkeitsstörungen) mit nach Hause, die ich brav ausfüllte bzw. ankreuzte. Die neugierige Annie konnte es jedoch nicht sein lassen im Internet nach der Auswertung zu schauen. Das Ergebnis ist nicht wirklich erstaunlich. Welche mysteriösen Offenbarungen habe ich auch erwartet?

In der letzten Sitzung erhielt ich einen Lebensfragebogen (Fragen über meine Lebensgeschichte), der bis zur Antragsstellung ausgefüllt sein soll. Genau dieser Bogen stürzt mich gerade in eine tiefe Verzweiflung. Da sind Gefühle von Trauer, Trotz und Schuld. In mir wehrt sich ein Teil die Fragen zu beantworten. Ein anderer Teil möchte gerne alles so ausführlich wie es geht mitteilen. Doch mein Kopf ist mit Watte gefühlt. Erinnerungen verschwimmen und werden nicht greifbar.

Da ich zum Glück schon vor über 10 Jahren das erste Mal mit Psychotherapie in Kontakt gekommen bin, durchsuchte ich meinen PC nach alten, bereits ausgefüllten Fragebögen. Ich speichere gerne alles ganz genau ab, nur für den Fall der Fälle. Ich druckte alle gefundenen Dokumente aus, damit ich es kommenden Mittwoch mitnehmen kann. Es ist seltsam meine alten Antworten durchzulesen, aber es war auch befriedigend eine eindeutig positive Entwicklung festzustellen, die ich in den Jahren durchgemacht habe.

Die übertriebene Angst ist gegangen, die Depression geblieben

Seit drei Wochen gehe ich zur Therapie, seit drei Wochen (vlt. auch schon etwas länger) hänge ich wieder in einer Depression, die sich schlimmer und aussichtsloser anfühlt als die ganzen Jahre zuvor. Ich werde mich für diese Therapie entscheiden - für das Lernen mit der Krankheit noch besser umzugehen - für das Leben!

Kommentare:

  1. Hallo Annie,

    super das es jetzt besser klappt mit der neuen Therapeutin und du so schnell an der Reihe warst. Kleine Schritte aber Schritte sind es die einen voranbringen, nur nicht zu sehr laufen wollen. Du machst das schon und viel Kraft.
    lg Tanja

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    1. Liebe Tanja
      vielen lieben Dank für deinen Kommentar. Ich bin ja noch ganz frisch bei der Frau, aber bisher scheint sie wirklich auf meiner Wellenlänge zu sein. Es ist selten, dass ich mich gleich von Beginn an zufrieden fühle. Daher ist das sicherlich ein gutes Zeichen!

      Herzliche Grüße
      Annie

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  2. Hallo liebe Annie,
    ich freue mich für dich, denn das klingt doch soweit optimistisch und du wirkst im Vorhaben entschlossen. Das ist doch schon mal was und wenn ihr dann noch zusammen passt, dann besteht doch Hoffnung auf Hilfe. Ich weiß, es wird kein Spaziergang auf einer bunten Blumenwiese, aber ein Weg, der hoffentlich wenig Hindernisse hat. Ich wünsche dir von ganzem Herzen, dass dir die Therapie Erleichterung bringt. Bleib am Ball.

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    1. Lieber Hans,
      auch dir herzlichen Dank für deinen Kommentar! Auch wenn es nicht einfach werden wird, möchte ich hin und wieder auf einer bunten Blumenwiese laufen - sei es real oder in Gedanken. Das Bild ist einfach zu schön um es zu verschwenden. Ich hoffe sehr, dass die Krankenkasse schnell bewilligt, so dass die Pause zwischen Antrag und Bewilligung nicht zu lange dauert.

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